Verein für Gemeinschaftsschulen

in Baden-Württemberg

Pressemitteilung

Gemeinschaftsschule bleibt am Ball

Bei der diesjährigen Jahrestagung der Gemeinschaftsschulen BW drehte sich alles um sichtbare Erfolge und die weitere Entwicklung der Gemeinschaftsschule.

Mit großer Zufriedenheit quittierten rund 120 Schulleiterinnen und Schulleiter der Gemeinschaftsschulen im Land bei ihrer Jahrestagung Mitte der Woche in Pliezhausen die sichtbaren Erfolge des pädagogischen Konzepts und des hohen Engagements der Beteiligten ihrer Schulart.

In seiner Begrüßungsrede verwies Vereinsvorsitzender Matthias Wagner-Uhl, auf die „blendenden“ Abschlussergebnisse der Schülerinnen und Schüler beim vergangenen Prüfungslauf zur Mittleren Reife: „Den Gemeinschaftsschulen ist es mit geradezu sensationellen Ergebnissen gelungen, eine sehr heterogene Schülerschaft zu erfolgreichen Abschlüssen zu bringen.“ Die Gemeinschaftsschulen hätten gegenüber anderen Schulformen der Sekundarstufe I (5.-10. Schuljahr) ganz klar die Nase vorne, wie auch die offiziellen Statistiken des Kultusministeriums belegen. Kerstin Hösch, Referatsleiterin im Kultusministerium, verwies zudem auf zahlreiche Erfolge der Gemeinschaftsschulen bei wichtigen Wettbewerben.

Wagner-Uhl warb dafür, die Frage, welchen Abschluss ein Kind ablegen soll, nicht am Anfang der Schulzeit, sondern im Laufe seiner persönlichen Entwicklung zu beantworten: „Genau das bekommt man nur an unserer Schulart: Die gesamte Palette der möglichen Wege, inklusive eines in der Fläche existierenden G9-Angebots ab dem 5. Schuljahr“. Damit dies allen Kindern zugutekommt, rief er die politisch Handelnden dazu auf, „den Weg frei zu machen für ein echtes Zwei-Säulen-System in Baden-Württemberg“ und so endlich mehr Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Denn: „Die bestmögliche Bildung für alle ist für auch für uns in Baden-Württemberg ein gesellschaftlicher Erfolgsfaktor, schiere Notwendigkeit und sowieso ein Menschenrecht.“

Einen Blick auf „Die Zukunft der Arbeit“ warf Wolfgang Grenke, Präsident des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK): Digitalisierung und Künstliche Intelligenz (KI) würden künftig die Arbeitswelt prägen und neue Berufe entstehen lassen. Entscheidend bleibe aber immer der Mensch. „Wir bewerten, selektieren und entscheiden auch zukünftig – allerdings auf einer erheblich breiteren, passgenauen Datenbasis“. So sei beispielsweise aus dem Kfz-Mechaniker ein Kfz-Mechatroniker, also ein Analysespezialist für moderne Computer-Autos geworden. Durch Digitalisierungseffekte sei die Nachfrage allein in diesem Jahr um 13.000 beruflich Hochqualifizierte gestiegen. In den kommenden Jahren, wenn die „Babyboomer-Generation“ in Rente gehe, fehlten hunderttausende Fachkräfte, so Grenke. Der international agierende Unternehmer lobte das pädagogische Lernkonzept der Gemeinschaftsschulen als sehr gute Vorbereitung für die Berufsausbildung. Dazu zählt er u. a. das Lernen „miteinander und voneinander in gemischten Gruppen“. Die Schule befähige die Kinder, mit viel Eigenverantwortung ihren passenden Weg zu finden: „Welcher Abschluss am Ende der Schulkarriere steht, hängt damit viel stärker vom Potenzial der einzelnen Schülerinnen und Schüler ab“.

Berufliche Erfolge bemessen sich laut Grenke selten daran, welches Wissen in der Schule angelernt würde, sondern was damit im Betrieb passiere. Aus persönlicher Erfahrung kenne er die praktische Arbeit an den Gemeinschaftsschulen und verwies auf einige sehr überzeugende Projekte und Ansätze dieser Schulen in der Region Karlsruhe. „Gemeinschaftsschüler lernen, sich selbst zu organisieren, sich Lernziele zu setzen und diese zu erreichen – für sich alleine, aber auch in der Gruppe“. Dieses Vorgehen fördere die Selbstmotivation – und lehre auch, mit Niederlagen umzugehen.

Betriebe bemängelten laut Umfragen immer wieder fehlende Eigeninitiative, Höflichkeit oder Pünktlichkeit, ebenso eine fehlende Begeisterungsfähigkeit junger Menschen, so Grenke. Auch in dieser Hinsicht ist der BWIHK-Präsident sicher, dass die Absolventen der Gemeinschaftsschule „gut präpariert“ sind. Weitere wichtige Basics, die in der Gemeinschaftsschule eindeutig Beachtung finden, sind für den BWIHK-Präsident die Fähigkeit zu beobachten, Fragen zu stellen, aus Erfahrungen zu lernen, eigene Strategien zu entwickeln und Verständnis zu zeigen. Dabei verwies Grenke auch auf die interkulturelle Vielfalt an den Schulen, denn „dieser Ansatz macht auch vor Ländergrenzen nicht halt“.

Die Leiterin des Referats Gemeinschaftsschulen im Kultusministerium (KM), Kerstin Hösch, referierte anschließend zu den enormen Leistungen der 306 Gemeinschaftsschulen im Land. Deren Schulalltag umfasse ein funktionierendes Räderwerk, angefangen von der Begabtenförderung, der Unterrichtsversorgung bis hin zur Elternarbeit und Abschlussprüfungen. In diesem Schuljahr besuchen über 74.000 baden-württembergische Kinder eine Gemeinschaftsschule. Der Kreis der Tagesakteure ist damit auf stattliche 250.000 Menschen angewachsen.

16.11.2018

Matthias Wagner-Uhl

(Vorsitzender Verein für Gemeinschaftsschulen in Baden-Württemberg)